Weltraumforscher lernen in Lindau
LINDAU
(elb) Weltraumwissenschaftler aus zehn Ländern lernen seit Samstag
in Lindau. Diese sind vornehmlich in leitenden Positionen in der
internationalen Raumfahrt, bei Regierungsstellen und in der Industrie
tätig. Thema dieses Treffens ist unter anderem die Frage, wie man
die Weltraumforschung effizienter und preiswerter machen kann.
15 Forscher zwischen 30 und 40 Jahren haben sich heuer erstmals
zur Space-Tech in Lindau getroffen. Hier findet eine der fünf Sessions
statt, die innerhalb von fünf Jahren absolviert werden müssen. Die
jungen Menschen haben hervorragende Leistungen im Bereich der Raumfahrttechnik
gezeigt und müssen sich um einen der begehrten Plätze bei der Space-Tech
bewerben. In diesem Jahr sind es Frauen und Männer aus Spanien,
Italien, den Niederlanden, USA und Deutschland, die für eine Woche
im Pulverturm in Klausur gehen, um gemeinsam oder in Gruppen Lösungen
für Forschungsprojekte der Zukunft zu finden.
Seit 1995 ermöglichen NASA und andere Weltraumfirmen Wissenschaftlern
der Raumfahrt die Teilnahme an der Space-Tech. Bei dieser Schulung
treffen renommierte Wissenschaftler auf Mitarbeiter von Unternehmen
aus dem Bereich Weltraumforschung. Federführend ist die Technische
Universität von Delft in den Niederlanden. Diese Fakultät gehört
im Bereich Weltraumforschung und Raumfahrt zu den besten der Welt.
Die einzelnen Segmente des Space-Tech-Projektes finden an verschiedenen
Orten statt. So startet es regelmäßig an der Mutteruniversität in
Delft. Von dort geht es im zweiten Jahr nach Toulouse, um im dritten
Jahr in Oberpfaffenhofen und in diesem Jahr erstmalig in der zweiten
Woche des Projektes in Lindau stattzufinden.
Auf die Idee, einen Teil des Treffens nach Lindau auszulagern, sei
man vor einem Jahr gekommen. Man nutzte einen Wochenendausflug während
des Oberpfaffenhofen-Aufenthaltes, um den Gästen Lindau, den Bodensee
und die angrenzenden Alpen näherzubringen. Edward W. Ashford, Chairman
der TU Delft und Mitinitiator, erzählt, wie begeistert man von der
Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit der Menschen und der Schönheit
der Landschaft gewesen sei. Jörg Kreisel, International Consultant
der JKIC aus Aachen, und Hermann Kreitmeir vom Verein Standort Zukunft
Lindau griffen die Idee sofort auf. Kreitmeir hofft, dass Space-Tech
von nun an regelmäßig im Tagungskalender der Inselstadt auftaucht.
Teilnahme kostet 30000 Euro
Jörg Kreisel berichtet, dass die Unternehmen 30000 Euro pro Jahr
aufbringen, damit ihr Mitarbeiter am Space-Tech-Projekt teilnehmen
darf. Zudem verzichten sie längere Zeit auf eigentlich unverzichtbare
Mitarbeiter. Insgesamt kommen die einzelnen Gruppen auf 10000 Arbeitsstunden,
die sie gemeinsam - entweder in den einzelnen Sessions oder bei
diversen Projekten - verbringen. Nach Absolvieren aller fünf Segmente
legen die Teilnehmer eine Prüfung ab und erwerben den Post Graduate
Master of Space Systems & Business Engineering, der zum Karrieresprung
verhilft.
Einige, wie der Niederländer Bas Theelen, haben diesen Karrieresprung
schon hinter sich. Er ist mittlerweile Industrial Manager für das
Galileo-Projekt. Seine Diplomarbeit hat er übrigens in Friedrichshafen
bei der EADS Astrium geschrieben. Der bekannteste Absolvent dieses
Projektes dürfte Andreas Schwer sein, der jahrelang Vizepräsident
im Bereich Eurocopter der EADS Astrium war.
In Lindau fühlen sich die Wissenschaftler wohl. Begeistert erzählen
sie von Stadtführung, Empfang beim Bürgermeister und einem Skitag
am Arlberg. Ferdi de Bruijn, 23-jähriger Student der Delfter Universität
und der jüngste der Gruppe, berichtet mit leuchtenden Augen von
dem Ausflug in die Berge mit dem vielen Schnee.
Quelle: SZON
Lindau